Boker tov! – ein besonderer Morgen im Jüdischen Museum Wien

Ein Museum noch vor der regulären Öffnungszeit erleben, überraschende Geschichten entdecken und anschließend orientalisch frühstücken:
„Boker tov!“ im Jüdischen Museum Wien ist ein besonderer Start in einen Wien-Tag.

Für uns wurde daraus ein ebenso informativer wie genussvoller Vormittag – inklusive eines schönen Wiedersehens.


Guten Morgen – oder besser: Boker tov!

9 Uhr morgens in der Dorotheergasse mitten in der Wiener Innenstadt. Während draußen Wien längst erwacht, herrscht im Jüdischen Museum Wien noch eine ganz besondere Ruhe.

Die Türen für den regulären Museumsbetrieb sind noch geschlossen.
Wir dagegen dürfen bereits hinein.

Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe erleben wir das Museum eine Stunde lang ganz exklusiv und bekommen bei „Boker tov! Guten Morgen im Jüdischen Museum Wien“ eine besondere Highlight-Führung.

Keine anderen Besucher, kein Kommen und Gehen – ideale Voraussetzungen, um zuzuhören, Fragen zu stellen und sich ganz auf die Geschichten hinter den Exponaten einzulassen.


Geschichten, die neugierig machen

Eine Stunde ist natürlich viel zu kurz, um mehr als 800 Jahre jüdische Geschichte in Wien zu erzählen. Und genau das versucht unsere Führung auch gar nicht.

Stattdessen werden einzelne Exponate herausgegriffen und ihre Geschichten erzählt. Große und kleine, wertvolle und ganz alltägliche Gegenstände werden dabei zu Zeitzeugen. Und manches, was wir erfahren, überrascht uns.


Wie der Weihnachtsbaum nach Wien kam

So begegnet uns bei unserer Führung tatsächlich ein Weihnachtsbaum – im Jüdischen Museum.

Die Geschichte dahinter: Fanny von Arnstein, eine aus Berlin stammende jüdische Salonnière, soll 1814/15 während des Wiener Kongresses einen geschmückten Weihnachtsbaum in ihrem Wiener Haus aufgestellt haben.

Gerade solche Geschichten machen die Führung für uns so kurzweilig. Sie zeigen, wie eng jüdische Geschichte mit der Geschichte Wiens verbunden ist – manchmal an Stellen, an denen man es zunächst gar nicht vermuten würde.


Eine Schublade voller Erinnerungen

Besonders im Gedächtnis bleibt uns auch eine Erinnerungsschublade.

Auf den ersten Blick sehen wir darin Fotos, Briefe, Bücher, kleine Schachteln, Spielsachen und persönliche Gegenstände. Dinge aus einem ganz normalen Leben.

Jüdisches Museum Wien - GenussReise.blog

Doch hinter diesen Gegenständen verbirgt sich eine persönliche Geschichte. Besonders berührt uns, dass die Besitzerin dieser Erinnerungsstücke erst 2005 ausfindig gemacht werden konnte.

Plötzlich sind es nicht mehr einfach historische Exponate hinter Glas. Die kleinen Dinge erzählen von einem Menschen, von einem Leben und von Erinnerungen.

Für uns einer jener Momente, in denen Geschichte ganz unmittelbar wird.


Der Tempel hinter der Fassade

Ein weiteres Exponat lässt uns hinter eine Fassade schauen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein Modell zeigt den Wiener Stadttempel in der Seitenstettengasse und macht sichtbar, was man von außen kaum erahnen kann: den eigentlichen Tempel hinter der Straßenfassade.

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Als der Stadttempel im 19. Jahrhundert errichtet wurde, durfte er aufgrund der damaligen Vorschriften nicht unmittelbar von der Straße aus als nichtkatholisches Gotteshaus erkennbar sein. Deshalb wurde die Synagoge in den Gebäudekomplex integriert.

Das Modell öffnet gewissermaßen die Fassade und gibt den Blick auf den eindrucksvollen Innenraum frei.

Ein spannendes Detail ist auch, dass gerade diese versteckte Lage später eine entscheidende Rolle spielte: Während der Novemberpogrome 1938 blieb der Stadttempel als einzige der großen Wiener Synagogen von der vollständigen Zerstörung verschont, weil ein Brand auch die umliegenden Gebäude gefährdet hätte.


Erinnerungszeichen im heutigen Wien

An die anderen Wiener Synagogen erinnert heute unter anderem das Gedenkprojekt „OT“. Seit 2018 markieren 25 sogenannte Sternstelen in 16 Wiener Bezirken ehemalige Synagogenstandorte. Die rund fünf Meter hohen Stelen tragen einen ineinander verschlungenen, leuchtenden Davidstern und erinnern an die im Novemberpogrom 1938 zerstörten Gotteshäuser und ihre Geschichte.

Den Prototyp dieser Sternstele entdecken wir bei unserer Führung im Museum. „OT“ ist hebräisch und bedeutet „Zeichen“ oder „Symbol“.


Was ein Museum alles bewahrt

Fast noch faszinierender ist für uns der Blick auf die vielen Objekte, die gerade nicht in einer Ausstellung zu sehen sind. In der Schausammlung stehen dicht gefüllte Vitrinen mit Judaica und unterschiedlichsten historischen Gegenständen, dahinter reihen sich unzählige Archivboxen aneinander.

Schnell wird deutlich: Was Besucher in einem Museum sehen, ist immer nur ein kleiner Teil dessen, was tatsächlich gesammelt, bewahrt und erforscht wird.

Zwischen all diesen Schätzen begegnet uns auch die Sammlung von Max Berger. Berger überlebte als Einziger seiner Familie die Schoa und begann Ende der 1950er-Jahre, jüdische Kultgegenstände zu sammeln. Seine Sammlung widmete er seiner Familie – seinen Eltern Roman und Anastasia, seiner Schwester Lace sowie seinen Brüdern Salomon und Jehoschua, die in Auschwitz und Treblinka ermordet wurden.

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Ein schlichter Satz an der Wand erinnert an sie und macht die sehr persönliche Geschichte hinter der Sammlung sichtbar.

Nach Max Bergers Tod 1988 erwarb die Stadt Wien seine Sammlung; sie wurde zu einem wichtigen Bestand des heutigen Jüdischen Museums Wien.

Gerade dieser Blick hinter die Kulissen zeigt uns noch einmal, wie viele Geschichten in einem Museum darauf warten, entdeckt zu werden. Nach unserer Stunde steht deshalb vor allem eines fest: Diese Highlight-Führung macht Lust, noch viel tiefer einzutauchen.


Orientalisches Frühstück – und ein schönes Wiedersehen

Aber „Boker tov!“ wäre für uns natürlich keine richtige GenussReise, wenn nach der Kultur nicht auch der Genuss käme.

Nach unserer Führung wartet im Taïm Café Bistro ein orientalisches Frühstück auf uns. Dazu gibt es Kaffee oder Tee, Limonana und ein Glas koscheren Sekt. Das Frühstück gehört fest zum „Boker tov!“-Erlebnis.

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Und wir können sagen: richtig lecker!

Hier treffen wir dann auch Tamara, die uns zu diesem besonderen Morgen eingeladen hat. Wir kennen sie noch von einem unserer Hotelportraits über ein Wiener Innenstadt-Hotel – inzwischen arbeitet sie im Jüdischen Museum Wien.

Entsprechend groß ist die Freude über das Wiedersehen. Bei orientalischen Köstlichkeiten und einem Glas Sekt wird natürlich erst einmal ausgiebig geratscht – über damals, heute und alles, was sich inzwischen getan hat.

Genau solche Begegnungen machen unsere GenussReisen für uns immer wieder besonders.

Danke, liebe Tamara, für die Einladung und diesen schönen gemeinsamen Vormittag!


Nach dem Frühstück einfach weiterentdecken

Und noch etwas gefällt uns an „Boker tov!“ besonders: Mit dem Frühstück muss der Museumsbesuch keineswegs zu Ende sein.

Inzwischen hat das Museum regulär geöffnet und wer möchte, kann anschließend noch einmal auf eigene Faust durch die Ausstellungen in der Dorotheergasse gehen. Perfekt, um genau dort weiterzumachen, wo die Highlight-Führung neugierig gemacht hat.

Und Zeit sollte man durchaus mitbringen.

Denn das Jüdische Museum Wien besteht aus zwei Standorten. Neben dem Museum in der Dorotheergasse gibt es das nur wenige Gehminuten entfernte Museum Judenplatz. Dort führen unter anderem die Überreste der mittelalterlichen Synagoge weit zurück in die Geschichte des jüdischen Wien. Beide Standorte ergänzen sich und erzählen gemeinsam von mehr als 800 Jahren jüdischen Lebens in der Stadt.

So kann aus „Boker tov!“ ganz einfach der Auftakt für einen ausgedehnten Kulturvormittag in Wien werden.

Danach geht es für uns wieder hinaus ins Wiener Stadtleben – vorbei am Stephansdom und weiter zur Hofburg, wo natürlich auch die traditionellen Fiaker nicht fehlen dürfen.


Unser Fazit: Ein Morgen, der Lust auf mehr macht

„Boker tov!“ will in einer Stunde gar nicht die gesamte Geschichte erzählen. Und genau darin liegt für uns die Stärke dieses besonderen Formats.

Ein Museum noch vor der offiziellen Öffnungszeit fast für sich zu haben, ausgewählte Exponate gemeinsam zu entdecken und die Geschichten dahinter zu erfahren, schafft einen ganz anderen Zugang.

Informativ, kurzweilig und vor allem: Es macht neugierig auf mehr.

Dazu das leckere orientalische Frühstück und für uns persönlich das schöne Wiedersehen mit Tamara – so wird aus einem Museumsbesuch ein Erlebnis, das wunderbar zu unserer Art des Reisens passt:

entdecken, erleben und genießen.


Gut zu wissen: Boker tov! im Jüdischen Museum Wien

„Boker tov! Guten Morgen im Jüdischen Museum Wien“ beginnt bereits um 9 Uhr und damit vor der regulären Museumsöffnung. Die Highlight-Führung durch das Museum Dorotheergasse dauert rund 60 Minuten. Anschließend wartet im Taïm Café Bistro ein orientalisches Frühstück mit Kaffee oder Tee, Limonana und koscherem Sekt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Nach dem Frühstück können die Ausstellungen auf eigene Faust weiter erkundet und auch der zweite Standort am Judenplatz besucht werden.

Jüdisches Museum Wien
Dorotheergasse 11
Museum Judenplatz 8

Aktuelle Termine und Informationen zu „Boker tov!“


Werbung | Einladung – Wir wurden zu „Boker tov!“ eingeladen. Wie immer berichten wir unabhängig und geben ausschließlich unsere persönlichen Eindrücke wieder.

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