Es gibt wohl kaum einen passenderen Ort für ein Musical über König Ludwig II.: Direkt am Forggensee, mit Blick auf die Allgäuer Berge und das nur rund vier Kilometer Luftlinie entfernte Schloss Neuschwanstein, liegt das Festspielhaus Neuschwanstein.
Das Theater wurde bewusst auf das berühmte Schloss ausgerichtet. Für seinen Bau wurde Ende der 1990er-Jahre eigens eine Halbinsel aufgeschüttet – eine außergewöhnliche Kulisse für die Geschichte des bayerischen Märchenkönigs.

Am 11. September durften wir bei einem Pressetermin nicht nur hinter die Kulissen von LUDWIG² – Der König ist zurück! blicken. Wir erfuhren auch, wie aus einem Musical aus dem Allgäu eine außergewöhnliche Verbindung zwischen Füssen und Shanghai entstanden ist.


Hinter den Kulissen des Festspielhauses
Unser Nachmittag begann dort, wo man als Zuschauer normalerweise nicht hinkommt: auf und hinter der Bühne. Gemeinsam mit Martin Markert, Künstlerischer Leiter des Gold & Silber Musikverlags, Co-Regisseur und Musicaldarsteller, bekamen wir einen spannenden Einblick in das Festspielhaus und seine aufwendige Bühnentechnik.

Und die Dimensionen können sich sehen lassen: Das Festspielhaus verfügt über eine Drehbühne mit rund 29 Metern Durchmesser, die als größte Musical-Drehbühne Europas gilt. In die Bühne integriert ist zudem ein Wasserbecken, das bei LUDWIG² Teil der Inszenierung wird. Der Zuschauerraum bietet rund 1.350 Plätze – entsprechend groß sind Bühne, Kulissen und Technik hinter den sichtbaren Bereichen.

Gerade bei der Führung wird deutlich, welcher Aufwand notwendig ist, damit die Welt König Ludwigs am Abend scheinbar mühelos auf der Bühne entsteht. Für uns war das besonders spannend, weil wir anschließend genau diese Technik während der Vorstellung in Aktion erleben konnten.








Das Schöne: Einen solchen Blick hinter die Kulissen kann man auch selbst erleben. Das Festspielhaus bietet buchbare Führungen an, die sich wunderbar mit einem Musicalbesuch verbinden lassen.


Martin Markert begegneten wir an diesem Tag übrigens noch einmal – wenige Stunden später stand er als Schattenmann selbst auf der Bühne.

Der König erobert China
Beim anschließenden Pressegespräch in der Sisi-Lounge erfuhren wir von LUDWIG²-Produzent und Verleger Gerd Fischer, Jan Ammann, Martin Markert, Festspielhaus-Eigentümer Manfred Rietzler und Theaterdirektor Benjamin Sahler, wie aus dem Musical aus Füssen eine Erfolgsgeschichte wurde, die inzwischen bis ins rund 9.000 Kilometer entfernte Shanghai reicht.

2024 feierte dort eine eigens entwickelte, gekürzte Fassung von LUDWIG² im Culture Square Theatre ihre Welturaufführung. Gespielt und gesungen wurde auf Deutsch – vor bis zu knapp 2.000 Zuschauern und begleitet von einem großen chinesischen Live-Orchester.
Mit der Begeisterung, die Ludwig II. in Shanghai auslösen würde, hatte das Team selbst nicht gerechnet. Einer der besonderen Gänsehautmomente: Bei der Premiere sang das chinesische Publikum „Kalte Sterne“ auf Deutsch.
Wie beim Pressegespräch besonders hervorgehoben wurde, nimmt LUDWIG² dabei eine besondere Rolle ein: Während deutschsprachige Musicalerfolge aus Österreich bereits länger in China bekannt sind, kam mit LUDWIG² erstmals ein Musical direkt aus Deutschland nach Shanghai.
Von Shanghai zurück nach Füssen
Inzwischen führt diese Verbindung auch in die andere Richtung. Nach Angaben der Verantwortlichen sind bereits Hunderte chinesische Fans nach Füssen gereist, um hier die komplette Fassung von LUDWIG² zu erleben.
Manche nehmen dafür erstaunliche Wege auf sich, besuchen während eines kurzen Aufenthalts gleich mehrere Vorstellungen und reisen anschließend wieder zurück nach China. Dort hat sich inzwischen eine eigene Ludwig-Fangemeinde entwickelt.
Ein Satz aus der Pressemappe bringt diese ungewöhnliche Verbindung besonders schön auf den Punkt: „Musik kann Wege finden, um Grenzen zu überwinden. Brücken zu bauen und Herzen zu erobern.“


Und die Geschichte geht weiter: Im Dezember 2026 kehrt LUDWIG² erneut ins Culture Square Theatre nach Shanghai zurück. Diesmal mit größerer Besetzung und zwei zusätzlichen Szenen aus der Füssener Fassung – darunter „König Technik“, eine Szene, die sich die chinesischen Fans ausdrücklich gewünscht haben.
Jan Ammann – für uns DER König
Einer durfte bei diesem besonderen Tag natürlich nicht fehlen: Jan Ammann.
Für viele Musicalfans ist Jan Ammann längst der Lieblings-König – und auch in China wird er gefeiert. Für uns zeigte sich an diesem Abend einmal mehr, warum. Jan Ammann ist in seiner Lebensrolle als Ludwig II. großartig: charismatisch und kraftvoll, gleichzeitig verletzlich und voller Emotionen.


Gerade nach dem persönlichen Eindruck beim Pressegespräch war es besonders spannend, ihn wenige Stunden später wieder als König auf der Bühne zu erleben.
Gemeinsam mit Martin Markert als Schattenmann und dem Ensemble wurde LUDWIG² nach den vielen Eindrücken des Nachmittags für uns zu einem ganz besonderen Abschluss dieses Tages.

LUDWIG² ausführlich auf DerKultur.blog
Mehr über LUDWIG²: Die Geschichte des Musicals, die Inszenierung, Musik und unsere Eindrücke von der Aufführung haben wir auf unserem Kulturmagazin DerKultur.blog ausführlich zusammengefasst.
LUDWIG² – Das Musical im Festspielhaus Neuschwanstein
Unser GenussReise-Tipp für Füssen
Schon die Lage macht einen Besuch im Festspielhaus zu einem besonderen Erlebnis. Forggensee, Allgäuer Berge und Schloss Neuschwanstein bilden eine Kulisse, die kaum besser zur Geschichte König Ludwigs II. passen könnte.


Unser Tipp: Etwas mehr Zeit einplanen und Musicalbesuch und Bühnenführung miteinander verbinden. So erlebt man LUDWIG² nicht nur auf der Bühne, sondern bekommt auch einen spannenden Blick dahinter.


Und vielleicht versteht man danach noch ein bisschen besser, warum Menschen aus Shanghai tausende Kilometer bis nach Füssen reisen, um ihren Ludwig genau hier zu erleben.
Denn in Shanghai kann man den König erleben. In Füssen kommt man seiner Welt noch ein Stück näher.