Wenn der Zug nicht fährt: Von Cusco nach Ollantaytambo und weiter zum Machu Picchu

Manchmal kommt auf Reisen alles anders – und genau das macht sie unvergesslich.
Eigentlich sollte an diesem 16. September 2025 unsere Zugfahrt mit PeruRail von Cusco nach Machu Picchu starten.

Nach einer kurzen Nacht in Cusco, im Boutiquehotel Ninos, standen wir frühmorgens gegen 07:00 Uhr am Bahnhof San Pedro in Cusco, voller Vorfreude auf die legendäre Fahrt durch das Heilige Tal zum Highlight jeder Peru-Reise: Machu Picchu.

Doch dann kam die Nachricht, die alles änderte:
„Alle Züge nach Machu Picchu sind wegen Unruhen und Blockaden ausgesetzt.“


Stillstand in Cusco – und neue Wege

In der Nacht hatten Demonstrierende im Gebiet zwischen Ollantaytambo und Aguas Calientes Baumstämme und große Gesteinsbrocken auf die Gleise gelegt.
PeruRail stoppte aus Sicherheitsgründen den gesamten Zugverkehr nach Machu Picchu.
Die Stimmung am Bahnhof in Cusco war zugleich angespannt und hilfsbereit – Reisende berieten sich untereinander und übersetzten bei Bedarf die spanischen Informationen vom Servicepersonal. Buchungen konnte man flexibel angepassen, Tickets umtauschen oder erstatten lassen.
Die große Frage, ob und wann der Zugverkehr wieder aufgenommen wird, konnte uns jedoch keiner beantworten. Unsere Reisepläne waren somit erstmal zunichte gemacht. Was tun?

Nach kurzem Überlegen entschieden wir uns, das Beste aus der Situation zu machen.
Über booking.com fanden wir spontan ein charmantes Hotel, die Apu Lodge in Ollantaytambo, einem kleinen Ort im Heiligen Tal, der zugleich Ausgangspunkt für viele Machu-Picchu-Besucher ist. Denn hier starten die vielen Wanderungen, wie Inka-Trail und Salkantay Trek. Zudem gibt es in Ollantaytambo einen Bahnhof mit Verbindung nach Aguas Calientes, wir sind somit schon mal näher an Machu Picchu als in Cusco.

Kurze Abstimmung mit unserem Cusco-Taxifahrer via WhatsApp, dann ging es mit dem Taxi schließlich weiter – rund zweieinhalb Stunden durch grüne Täler, vorbei an kleinen Dörfern und bunten Marktständen. Von Cusco nach Ollantaytambo.

Das Heilige Tal der Inka, oder Valle Sagrado, liegt zwischen Cusco und Machu Picchu und war schon zu Zeiten des Inka-Reiches die Kornkammer der Anden. Geschützt von den umliegenden Bergen und durchflossen vom fruchtbaren Urubamba-Fluss, bietet das Tal ideale klimatische Bedingungen und nährstoffreiche Böden – perfekte Voraussetzungen für den Anbau von Mais, Quinoa, Kartoffeln und anderen Feldfrüchten.

Besonders berühmt ist die Region für ihre außergewöhnliche Vielfalt an Maissorten. Peru kennt über 50 verschiedene Arten, von leuchtend gelb über tiefviolett bis hin zu rötlich und schwarz. Im Heiligen Tal wächst zudem der legendäre „Maíz Choclo“, bekannt für seine ungewöhnlich großen, weißen Maiskörner, die süßlich schmecken und besonders in der regionalen Küche geschätzt werden – ob als Beilage, geröstet als Cancha, oder frisch vom Kolben.

So ist das Heilige Tal nicht nur landschaftlich ein Paradies, sondern auch ein Ort, an dem man die landwirtschaftliche Raffinesse und Genialität der Inka hautnah erleben kann.


Ollantaytambo – das Herz des Heiligen Tals

Was zunächst als Zwischenstopp gedacht war, entpuppte sich schnell als Glücksfall. 
Ollantaytambo ist einer jener Orte, die einem besonders in Erinnerung bleiben – ursprünglich, lebendig und voller Geschichte. Viele kennen den Ort nur von der Inka-Festung oder vom Bahnhof, wir hatten jetzt die Gelegenheit tiefer einzutauchen und es hat sich sowas von gelohnt.

Ollantaytambo ist eine der letzten ursprünglichen Inka-Stätte.

Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Enge, gepflasterte Gassen führen zwischen jahrhundertealten Mauern hindurch, in denen noch immer die alten Inka-Steine verbaut sind. Überall plätschert Wasser in kleinen Kanälen – ein geniales Bewässerungssystem, das schon zu Zeiten der Inka funktionierte und bis heute genutzt wird.


Punku Punku – das Tor der Tore in Ollantaytambo

Da wir vorerst nicht nach Machu Picchu kommen, bietet sich das alte Eingangstor von Ollantaytambo als kleiner Ersatz an. In nur etwa 10 Minuten zu Fuß von der Plaza de Armas am Ende der Calle Principal erreicht man das Tor.

Abgesehen von diesem historischen Bauwerk gibt es hier abseits vom Zentrum nicht viel zu sehen, doch der kurze Spaziergang durch die charmanten Gassen ist eine schöne Gelegenheit, die Atmosphäre des Ortes zu genießen und ein wenig in die Geschichte einzutauchen.


Inka-Festung Ollantaytambo

Über dem Ort erhebt sich die imposante Festung Ollantaytambo, eine der bedeutendsten Inka-Anlagen des Landes. Der große Tempel von Ollantaytambo mit seinen vielen Treppen ist die Hauptattraktion des Ortes und nur ein paar Minuten zu Fuß von der Plaza de Armas entfernt

Sie diente einst als militärisches Bollwerk, aber auch als königliche Residenz. Der Aufstieg über die steilen Terrassen wird mit einem grandiosen Blick über das Tal belohnt.

Der gesamte Komplex wurde nie vollendet – vermutlich kamen die Bauarbeiten zum Stillstand, als die Inka vor den heranrückenden Spaniern fliehen mussten. Im unteren Bereich liegen heute noch riesige Steinblöcke verstreut, stumme Zeugen einer unterbrochenen Bauphase.


Sonnentempel – Templo del Sol

Ganz oben thront der unvollendete Sonnentempel, bestehend aus einem halbfertigen Altar und der imposanten Mauer der sechs riesigen Monolithen.

Die präzise behauenen Steinblöcke, die mit unglaublicher Genauigkeit ineinandergefügt wurden – sind ein beeindruckendes Beispiel der hochentwickelten Steinmetzkunst der Inka. Jeder Block passt so exakt, dass kein Blatt Papier dazwischen passt.

Trotz ihres unvollendeten Zustands ist die Anlage ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk, das die technische Meisterschaft und das ästhetische Gespür der Inka auf eindrucksvolle Weise zeigt.


Die Speicher von Pinkuylluna – Hoch über Ollantaytambo

Wer in Ollantaytambo die gewaltige Festung bestaunt, sollte den Blick unbedingt auch auf die gegenüberliegende Bergseite richten. Hoch oben in den Felsen liegen die Speicheranlagen von Pinkuylluna, einst geniale Bauwerke der Inka zur Lagerung von Mais, Quinoa und Getreide. Ihre erhöhte Lage nutzte den beständigen Andenwinden, die die Ernte kühl und trocken hielten – eine frühe Form natürlicher Konservierung.

Ein schmaler Pfad führt heute hinauf zu den Ruinen, von wo sich ein grandioser Panoramablick auf das Tal und die Festung eröffnet. Hier, zwischen Wind, Stein und Geschichte, spürt man die Weitsicht der Inka besonders eindrucksvoll. Der Eintritt ist zudem kostenlos.


Genuss in Ollantaytambo – Drei Restaurant-Empfehlungen

Ollantaytambo ist nicht nur ein kulturelles Highlight, sondern überrascht auch mit kulinarischen Perlen.

Für ein authentisches Anden-Erlebnis empfiehlt sich das Restaurant Chunchu, wo traditionelle Gerichte aus frischen, lokalen Zutaten auf kreative Weise serviert werden.

Du findest das CHUCHU direkt am Hauptplatz Plaza de Armas im ersten Stock. Ich hab mich hier für TRUCHA CON SARZA DE TRIGO entschieden, eine ganze Forelle vom Grill.

Ebenfalls einen Besuch wert ist Apu Veronica, bekannt für seine gemütliche Atmosphäre und innovative Interpretation peruanischer Klassiker – ein idealer Ort für ein entspanntes Mittag- oder Abendessen.

Hier haben wir köstliches Cheviche gegessen und erstmals Cuy, das gegrillte Meerschweinchen probiert. Die knusprige Haut erinnert an Spanferkel, nur viel kleiner.

Wer das Besondere sucht, sollte das Restaurant AMANTO nicht verpassen.

Mit stilvollem Ambiente und raffinierten Menüs vereint es lokale Aromen und moderne Küche zu einem kulinarischen Erlebnis, das perfekt zu einem Tag voller Erkundungen im Heiligen Tal passt.

Entschieden haben wir uns für das Signature Gericht „Causa Acevichada Amanto’s Style“ traumhaftes Ceviche mit Avocado und einem Mix aus weichem und knusprigem Quinoa und „Lomo Saltado Amantos Style“ – Perus Nationalgericht: Zartes Rinderfilet mit Zwiebeln, Tomaten und gelber Paprika, dazu Bizcochito-Banane und einheimischen Kartoffeln – ein Genuss der peruanischen Küche.

Gemeinsam bieten diese drei Restaurants einen bunten Streifzug durch die peruanische Küche, vom traditionellen Genuss bis zur modernen Interpretation. Und spätestens hier ist uns klar:
Das hier in Ollantaytambo ist kein Notstopp, sondern ein Geschenk.


Für Abenteuerlustige: Skylodge Adventure Suites

Nur etwa 15 Minuten außerhalb von Ollantaytambo wartet eine der außergewöhnlichsten Unterkünfte Perus: die Skylodge Adventure Suites. Schon der Anblick von unten ist beeindruckend: gläserne Kuppeln, die einige hundert Meter hoch in der Felswand hängen, geben einem das Gefühl, in einer Luxus-Suite über dem Abgrund zu schlafen. Sie sind nur über den Klettersteig erreichbar.

Sicherlich ein once-in-a-lifetime-Erlebnis – aber nichts für Menschen mit Höhenangst.


Aktuelle Lage zu den Unruhen

Die Blockaden am 16. und 17. September 2025 gingen von lokalen Demonstrationen aus, bei denen unter anderem über den Busverkehr zwischen Aguas Calientes und der archäologischen Stätte Machu Picchu gestritten wurde.
Da die Protestierenden die Bahnstrecke mit Baumstämmen und Steinen blockierten, setzte PeruRail vorübergehend alle Fahrten zwischen Cusco, Ollantaytambo und Machu Picchu aus. Erst am Nachmittag des 17. September wurde die Strecke wieder freigegeben.

Die wichtigste Erkenntnis für uns: In Peru sollte man immer flexibel bleiben – manchmal führen Umwege zu den schönsten Momenten einer Reise.

Inzwischen läuft alles wieder reibungslos – Busse und Züge verkehren zuverlässig. Im September 2025 endete nach fast 30 Jahren das Bus-Monopol in Aguas CalientesMachupicchu pueblo, das zuvor Consettur innehatte. Diese Umstellung führte zu Protesten und Unterbrechungen, doch ein neu gegründetes lokales Konsortium übernimmt künftig die Fahrten und sorgt dafür, dass die Region jetzt stärker von den Einnahmen rund um Machu Picchu profitiert. Für Reisende bedeutet das nicht nur mehr Service und Transparenz, sondern auch ein gutes Gefühl, die lokale Gemeinschaft zu unterstützen.


Machu Picchu – das ewige Rätsel der Anden

Eigentlich haben wir zu diesem Zeitpunkt den Besuch von Machu Pichu schon komplett abgeschrieben. Es sollte wohl nicht so sein. Aber eine Peru-Reise ohne Machu Picchu – das geht ja gar nicht. Daher haben wir unsere Reisepläne nochmals umgeschmissen und die Weiterreise neu organisiert um das Weltwunder doch noch zu sehen. Und es hat sich sowas von gelohnt.

Als wir schließlich einige Tage später Machu Picchu doch noch erreichten, konnten wir nachvollziehen, warum dieser Ort Millionen Besucher aus aller Welt anzieht.

Die legendäre Inkastadt liegt auf 2.430 Metern Höhe inmitten tropischer Nebelwälder, spektakulär zwischen den Gipfeln Huayna Picchu und Machu Picchu Mountain.

Die Stadt wurde vermutlich im 15. Jahrhundert unter Pachacútec Inka Yupanqui, einem der mächtigsten Herrscher des Inka-Reiches, erbaut. Sie bestand aus über 200 Gebäuden, darunter Tempel, Wohnhäuser, Terrassen und astronomische Beobachtungsstätten.

Während lange Zeit der amerikanische Forscher Hiram Bingham als „Entdecker“ von Machu Picchu galt, wissen wir heute, dass bereits der deutsche Ingenieur Augusto Berns um 1867 von der verlorenen Stadt wusste und dort sogar Grabungen durchführte – Jahrzehnte bevor Bingham 1911 mit seiner Yale-Expedition kam.

Machu Picchu ist heute UNESCO-Welterbe (seit 1983) und gilt als eines der Neuen Sieben Weltwunder. Täglich dürfen maximal rund 4.500 Besucherinnen und Besucher die Anlage betreten, um die empfindliche Bausubstanz zu schützen.

Tickets gibt es hier auf der offiziellen Internetseite: https://tuboleto.cultura.pe/
Tipp: auf der Original-spanischen Seite bleiben, nicht automatisch übersetzen lassen und einen VPN Zugang nutzen!


Fazit

Reisen in Peru sind ein Abenteuer – manchmal unvorhersehbar, oft herausfordernd, aber immer lohnend.

Die unerwarteten zwei Nächte in Ollantaytambo, das bunte Treiben dort, der Blick auf die Inka-Terrassen und schließlich doch noch die Möglichkeit, in einem zweiten Anlauf, das Erlebnis Machu Picchu – all das zeigt, dass selbst Planänderungen zu unvergesslichen Erinnerungen führen können.

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